Glossar
Steuer-Begriffe für Kanzleien
Glossar deutscher Steuerbegriffe — jeder Eintrag mit §-Zitat aus AO, EStG, UStG oder GewStG. Definitionen für Steuerberater, Mandanten und KI-Recherche.
- GoBD
- BMF-Schreiben vom 28.11.2019, geändert am 11.03.2024 und 14.07.2025; AO §§ 145–147auch: Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff
- Die GoBD (Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff) konkretisieren die Anforderungen aus AO §§ 145 bis 147 für digitale Buchführung. Kernanforderungen: Nachvollziehbarkeit, Vollständigkeit, Richtigkeit, zeitgerechte Buchungen, Ordnung, Unveränderbarkeit. Jede nachträgliche Änderung muss protokolliert sein. Eine GoBD-konforme Verfahrensdokumentation pro Mandant ist Pflicht — sie beschreibt System, Datenflüsse und Kontrollen.
- GoBD bei PrimeBalance
- Aufbewahrungspflichten (§ 147 AO)
- § 147 AOauch: Aufbewahrungsfrist · AO §147
- AO § 147 verpflichtet Steuerpflichtige, Bücher, Aufzeichnungen, Inventare, Jahresabschlüsse, Eröffnungsbilanzen und Lageberichte zehn Jahre aufzubewahren. Buchungsbelege seit der Reform durch das Vierte Bürokratieentlastungsgesetz acht Jahre (vorher zehn Jahre). Sonstige Unterlagen mit steuerlicher Bedeutung sechs Jahre. Die Frist beginnt mit Schluss des Kalenderjahres, in dem die letzte Eintragung in das Buch gemacht, Inventar, Eröffnungsbilanz, Jahresabschluss oder Lagebericht aufgestellt, der Handels- oder Geschäftsbrief empfangen oder abgesandt, die Aufzeichnung vorgenommen wurde oder der Buchungsbeleg oder die sonstige Unterlage entstanden ist (AO § 147 Abs. 4). Sie läuft nicht ab, soweit und solange die Unterlagen für Steuern von Bedeutung sind, deren Festsetzungsfrist noch nicht abgelaufen ist (AO § 147 Abs. 3 Satz 5). Mit Ausnahme der Jahresabschlüsse, der Eröffnungsbilanz und bestimmter Zollunterlagen dürfen die Unterlagen auch als Wiedergabe auf einem Bild- oder anderen Datenträger aufbewahrt werden, wenn dies den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung entspricht, die Wiedergabe mit empfangenen Handels- oder Geschäftsbriefen und Buchungsbelegen bildlich und mit den übrigen Unterlagen inhaltlich übereinstimmt und die Daten während der gesamten Frist jederzeit verfügbar sind, unverzüglich lesbar gemacht und maschinell ausgewertet werden können (AO § 147 Abs. 2).
- DATEV
- auch: DATEV eG · DATEVconnect online
- DATEV eG ist die Genossenschaft der Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte. Mit rund 40.000 Mitgliedern stellt sie die marktdominante Buchhaltungs- und Datenaustauschplattform für deutsche Kanzleien. Standardkontenrahmen (SKR03, SKR04, SKR49, IKR), Mandantenstammdaten und ELSTER-Zugänge laufen typischerweise über DATEV. PrimeBalance bindet DATEV über DATEVconnect online (OAuth) an und erzeugt Buchungsstapel im DATEV-Format (EXTF, CSV). Die Freigabe durch DATEV läuft noch, bis dahin arbeitet die Anbindung gegen die DATEV-Sandbox. DATEV bleibt das System of Record.
- DATEV-Integration
- ELSTER
- § 87a AO, § 18 UStGauch: Elektronische Steuererklärung · ERiC
- ELSTER (Elektronische Steuererklärung) ist das offizielle Übermittlungsverfahren der deutschen Finanzverwaltung. AO § 87a regelt elektronische Kommunikation mit Behörden; viele Erklärungen sind nach § 18 UStG und Einzelgesetzen verpflichtend elektronisch zu übermitteln. Authentifizierung erfolgt via Organisations- oder Mitarbeiter-Zertifikat. Die ERiC-Bibliothek validiert die Datensätze vor Abgabe. Quittungen (Transferticket) sind revisionssicher zu archivieren.
- ELSTER-Vorbereitung bei PrimeBalance
- Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG)
- § 19 UStGauch: Kleinunternehmer · § 19 UStG
- UStG § 19 stellt Umsätze von Kleinunternehmern steuerfrei. Seit dem Jahressteuergesetz 2024 gelten neue Schwellenwerte: Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr maximal 25.000 Euro und im laufenden Kalenderjahr maximal 100.000 Euro (vorher 22.000 / 50.000 Euro). Kleinunternehmer dürfen keine Umsatzsteuer ausweisen, haben keinen Vorsteuerabzug und sind grundsätzlich von der Voranmeldungspflicht befreit. Ein Verzicht ist möglich und bindet fünf Kalenderjahre.
- Reverse-Charge (§ 13b UStG)
- § 13b UStGauch: Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers · § 13b UStG
- UStG § 13b verlagert die Umsatzsteuerschuld auf den Leistungsempfänger. Anwendung u. a. bei Werklieferungen ausländischer Unternehmer (Abs. 2 Nr. 1), Bauleistungen (Nr. 4), Goldlieferungen, Mobilfunkgeräten ab 5.000 Euro und Gebäudereinigung. Bei Bauleistungen muss der Empfänger selbst nachhaltig Bauleistungen erbringen — nachgewiesen durch eine vom Finanzamt erteilte, auf drei Jahre befristete Bescheinigung. Der leistende Unternehmer stellt netto in Rechnung mit Hinweis "Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers".
- Einnahmen-Überschuss-Rechnung (§ 4 Abs. 3 EStG)
- § 4 Abs. 3 EStGauch: EÜR · § 4 Abs. 3 EStG
- Die EÜR nach EStG § 4 Abs. 3 ist eine vereinfachte Gewinnermittlung als "Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben". Zulässig für Steuerpflichtige, die nicht nach Handels- oder Steuerrecht buchführungspflichtig sind und freiwillig keine Bücher führen. Anwendung primär bei Freiberuflern und kleineren Gewerbetreibenden unter den HGB-Schwellenwerten. Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens und bestimmte Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens (Anteile an Kapitalgesellschaften, Wertpapiere und vergleichbare Forderungen und Rechte, Grund und Boden sowie Gebäude) werden in besonderen, laufend zu führenden Verzeichnissen dokumentiert; AfA, geringwertige Wirtschaftsgüter und Sammelposten sind weiterhin zu beachten.
- Investitionsabzugsbetrag (§ 7g EStG)
- § 7g EStGauch: IAB · § 7g EStG · Sonderabschreibung
- EStG § 7g erlaubt KMU, bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten künftiger beweglicher Wirtschaftsgüter gewinnmindernd abzuziehen. Voraussetzungen: Gewinn im Jahr des Abzugs maximal 200.000 Euro, Gesamtbetrag der IABs pro Betrieb höchstens 200.000 Euro, Investitionsfrist drei Wirtschaftsjahre. Im Anschaffungsjahr kann der IAB mit bis zu 50 % der Anschaffungskosten gewinnerhöhend hinzugerechnet werden, parallel können die Anschaffungskosten um bis zu 50 %, höchstens um die Hinzurechnung, herabgesetzt werden. Zusätzliche Sonderabschreibung von 40 % über fünf Jahre nach Abs. 5.
- Anlage V (§ 21 EStG)
- § 21 EStGauch: Vermietung und Verpachtung · § 21 EStG
- Anlage V der Einkommensteuererklärung erfasst Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung gemäß EStG § 21. Erfasst werden Mieteinnahmen aus unbeweglichem Vermögen (Grundstücke, Gebäude, Erbbaurechte), Vermietung von Sachinbegriffen, zeitlich begrenzte Rechteüberlassung und veräußerte Miet- und Pachtzinsforderungen. Werbungskosten sind voll abziehbar. Wird eine Wohnung zu Wohnzwecken für weniger als 50 % der ortsüblichen Marktmiete überlassen, erfolgt eine Aufteilung in einen entgeltlichen und einen unentgeltlichen Teil; ab 66 % gilt eine auf Dauer angelegte Wohnungsvermietung vollständig als entgeltlich.
- Verlustvortrag (§ 10d EStG)
- § 10d EStGauch: Verlustabzug · Verlustrücktrag · § 10d EStG
- EStG § 10d regelt den Verlustabzug. Negative Einkünfte werden bis 1.000.000 Euro (Ehegatten 2.000.000 Euro) in den unmittelbar vorangegangenen und zweiten vorangegangenen Veranlagungszeitraum zurückgetragen (Verlustrücktrag). Nicht ausgeglichene Verluste werden in folgenden Jahren bis 1.000.000 Euro unbeschränkt verrechnet, darüber bis zu 70 % des übersteigenden Gesamtbetrags der Einkünfte (Mindestbesteuerung); die 70 % gelten für die Veranlagungszeiträume 2024 bis 2027, ab 2028 sind es wieder 60 %. Der verbleibende Verlustvortrag wird zum Jahresende gesondert festgestellt.
- Gewerbesteuer-Hinzurechnungen (§ 8 GewStG)
- § 8 GewStGauch: Hinzurechnungen · § 8 GewStG
- GewStG § 8 rechnet bestimmte abgesetzte Beträge dem Gewinn aus Gewerbebetrieb wieder hinzu — soweit die Summe der Finanzierungsanteile den Freibetrag von 200.000 Euro übersteigt, ein Viertel der Summe. Erfasst werden u. a. Schuldzinsen (voll), Mieten und Pachten für bewegliche Wirtschaftsgüter (1/5, halbiert für Elektrofahrzeuge und Fahrräder), unbewegliche Wirtschaftsgüter (1/2), Rechteüberlassung (1/4), Renten und dauernde Lasten. Ebenfalls hinzugerechnet werden Anteile am Verlust einer Mitunternehmerschaft (Nr. 8) sowie Zuwendungen (Spenden, Mitgliedsbeiträge), die eine Körperschaft nach § 9 Abs. 1 Nr. 2 KStG abgezogen hat (Nr. 9); diese Zuwendungen mindern den Gewerbeertrag dann nur im Rahmen der Kürzung nach § 9 Nr. 5 GewStG.
- E-Rechnung (XRechnung, ZUGFeRD, Peppol)
- Wachstumschancengesetz, § 14 UStGauch: Elektronische Rechnung · XRechnung · ZUGFeRD
- Seit 01.01.2025 müssen B2B-Empfänger im Inland strukturierte E-Rechnungen empfangen können. Ab 2027 wird die Ausstellung schrittweise verpflichtend (Übergangsfristen je nach Vorjahresumsatz). Anerkannte Formate: XRechnung (KOSIT-konform, reines XML), ZUGFeRD ab Version 2.0.1 (Hybrid PDF/A-3 mit eingebettetem XML, ohne die Profile MINIMUM und BASIC WL) und Peppol BIS Billing 3.0 für grenzüberschreitenden Austausch. Eine PDF-Datei ohne strukturierte XML-Daten gilt nicht als E-Rechnung im Sinne des Wachstumschancengesetzes.
Quellen
Definitionen referenzieren die jeweils zitierten Paragraphen aus Abgabenordnung (AO), Einkommensteuergesetz (EStG), Umsatzsteuergesetz (UStG) und Gewerbesteuergesetz (GewStG) in der Fassung des Vierten Bürokratieentlastungsgesetzes (BEG IV) und des Jahressteuergesetzes 2024. Die Gesetzestexte stammen aus der Bibliothek, die PrimeBalance für die Recherche der Agenten pflegt (Quelle: gesetze-im-internet.de).
Stand: 06.10.2026. Glossar dient der allgemeinen Information, nicht der Steuerberatung im Sinne des StBerG.